Von nächtlichen Brechanfällen zur Autorin

Miranda Jehle

Foto von Miranda Jehle in Magetsweiler, BW

Nicht alle Mädchen schreiben schön

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sich ein Kind in der Schule mit Lese- und Rechtschreibproblemen fühlen muss. Schön- und Rechtschreibung war nicht gerade meine Stärke. Meine Neigung zu Flüchtigkeitsfehlern zeigt sich bis heute und für Diktate war ich zu langsam. Ein „Träumerle“ eben. Mit Wechsel in die Sekundarstufe zu einer neuen Deutschlehrerin begann das Drama. Am Vorabend von Diktaten wurde mir übel und ich musste die ganze Nacht brechen.

Da ich dennoch eine sehr gute bis mittelmäßige Schülerin war, schenkten meine Eltern den Stresssymptomen keine besondere Aufmerksamkeit. Immerhin war ich auf dem altsprachlichen Zweig und konnte mir Vokabeln gut merken.

Erlösung von den Diktaten

Ab der 10. Klasse wurden keine Diktate mehr geschrieben und fortan waren die Flüchtigkeitsfehler kein sonderliches Thema mehr. Das nächtliche Erbrechen verabschiedete sich. Meine Deutschlehrer haben von meinen Symptomen nie etwas erfahren.

Ich will damit nicht sagen, dass ich Diktate grundsätzlich ablehne. Doch wenn das Ergebnis von Diktaten massives Psychosomatisieren ist, dann sollte die Heransgehensweise vielleicht überdacht werden. Es gibt durchaus geniale Abwandlungen dieser Methode, doch das ist ein anderes Feld.

Im zweiten Anlauf

Berufliche Wege dürfen ruhig verschlungen sein, auch dafür steht Miranda Jehle. Ursprünglich auf dem naturwissenschaftlichen Zweig (Molekulargenetik) wechselte ich erst im zweiten Anlauf ins therapeutische. Der Stress, den ein Kind wegen Rechtschreibung, Lesen oder Rechnen entwickeln kann, hatte ich am eigenen Leib erfahren. In der Lerntherapeutischen Praxis Überlingen (früher Lernpraxis Schlötter-Heckhorn) ließ ich mich ausbilden und erwarb gleichzeitig einen Abschluss zum „Zertifizierten Legasthenie-Trainer“.

Seit 2010 arbeite ich mit Kindern in den Bereichen Legasthenie, Dyskalkulie und Englisch. In einer liebevollen Lernatmosphäre, bei der maßgeschneidert und intensiv die schwierigen Themen nach und nach erobert werden.

Die Kombination aus der Liebe zum Englischen und der Leidenschaft für die Lerntherapie hat mich veranlasst, dieses Praxisbuch zu schreiben.

Ein Buch wird getauft

Werke mit lerntherapeutischem Inhalt enthalten im Titel manchmal den Städtenamen ihrer Herkunft (z. B. Marburger Rechtschreibtrainer). Der Arbeitstitel meiner Arbeitsblätter-Sammlung lautete daher zunächst „Überlinger Englisch Trainer“. Mit der Zeit erschien mir der Titel zu langweilig.

Orändsch?

Wie kam es zu der freundlichen Orange? Sie kam zu mir als Eingebung, vielleicht weil „Orange“ ein wahrlich Legastheniker-freundliches Wort ist, jedenfalls was die Rechtschreibung betrifft. Es wird im Deutschen, Englischen und Französischen GENAU GLEICH geschrieben! Juchhu! Englisch super-korrekt ausgesprochen geht es so: [‚ɒrɩndʒ], also etwa arindsch. Das hätte nun wirklich niemand als Orange assoziiert. Dann doch lieber … ORÄNDSCH! :)

LRS meetz Englisch?

Wegen der verwirrenden Endungen mit „-s“ im Englischen hat sich das „z“ in den Verlagsnamen gemogelt. Wirklich unerhört.

Weit ab vom Schuss

Ich lebe mit meinem Mann und drei Kindern auf einem kleinen Hof, 20km nördlich vom Bodensee.

Zeichnung einer zufrieden lächelnden Orange